Advisory Coaching (beratendes Coaching)

Ein finanzierbarer Weg zu Spitzenleistungen, den Richard Williams für seine Töchter einschlug, indem er für sie keinen full-time Coach engagierte, sondern mit Advisory Coaches arbeitete und selbst als ständiger Begleiter fungierte.
Das Advisory System fungiert folgendermassen:
Es gibt einen verantwortlichen ständigen Betreuer (Trainer, Coach, Manager), der jedoch mit verschiedenen Experten zusammen arbeitet und sich von diesen beraten lässt. Die Durchführung der gemeinsam beschlossenen Trainingsplanung übernimmt sodann der hauptverantwortliche ständige Betreuer (SB). Der SB ist in den meisten Fällen eine Person, die zwar etwas vom Leistungstraining versteht, aber auf keinem Spezialgebiet ein wirklicher Experte ist. Der SB muss jedoch in der Lage sein, das was ihm die Experten geraten haben einwandfrei mit seinem Schützling umzusetzen. Meistens sind es Eltern oder junge Trainer, die sich ihre ersten Meriten verdienen wollen oder Trainingspartner, die das Training ihrer Schützlinge oder Freunde selbst in die Hand nehmen und mit Advisory Coaches zusammen arbeiten. Aber auch arrivierte und erfolgreiche Trainer wenden sich immer wieder an Berater, wobei die Öffentlichkeit von dieser Kooperation meistens nichts weiss, da Beratung von Leuten, die nichts vom Leistungstennis verstehen, nur all zu gerne als Nachhilfe ausgelegt wird.
Und obwohl es ganz selbstverständlich ist, wenn der Hausarzt in schwierigen Fällen einen Spezialisten zurate zieht und ihm der Patient und dessen Angehörige dafür dankbar sind, zweifeln Eltern und Spieler an der fachlichen Qualifikation des Trainers, wenn dieser ihnen vorschlägt , zusätzlich einen Experten zurate zu ziehen, bevor man mit dem Umlernen der Aufschlagbewegung beginne. Der Vorteil des Systems liegt darin, dass der sogenannte "Heimtrainer" für den Spieler erschwinglich ist, oft sogar gar nichts kostet und es auch nicht unbedingt notwendig ist, in Stabilisierungsphasen des Techniktrainings oder für das Drilltraining, bei dem der Trainer die Bälle aus der Hand zuspielt einen nahezu unerschwinglichen Experten einzusetzen. Ich bin davon überzeugt, dass Matchanalysen, die von Trainingspartnern, Eltern oder den Spielern durchgeführt werden, genau so effektiv sein können wie solche, die der Experte macht, wenn diese wissen, worauf sie achten müssen.
Tennis ist keine Wissenschaft und die meiste Trainingszeit geht damit auf, dass der Spieler immer und immer wieder das Wesentliche wiederholt. Entscheidend ist es, ihm das Wesentliche zu vermitteln und darauf zu achten, dass er es unverfälscht trainiert. Natürlich ist es sicherer, einen Experten ständig dabei zu haben. Er gibt mit hoher Wahrscheinlichkeit die Garantie, dass sich keine Fehler einschleichen können. Wen man es sich aber nicht leisten kann, muss man das Risiko eingehen, auch ohne Experten auszukommen. Dazu ist es notwendig, dass sowohl der Spieler selbst als auch seine "Betreuer" wissen, worauf es ankommt und worauf sie achten müssen. Der Advisory Coach muss daher sehr eng mit den ständigen Trainingsbetreuern zusammen arbeiten und sicher sein, dass diese die Trainingsanweisungen verstanden haben und umsetzen können. Ein Vorteil dieses Systems liegt neben der finanziellen Ersparnis darin, dass der Advisory Coach durch ständige Trainingsarbeit mit ein und demselben Spieler nicht "betriebsblind" wird und ihm sowohl Fehler als auch Fortschritte sofort auffallen, wenn er den Spieler nach etwa 3-4 Wochen wieder sieht. Der ständige Coach und auch der Spieler selbst sind hoch motiviert zwischen den Visiten möglichst gut zu arbeiten, um dem Advisory Coach ein gutes Resultat vorlegen zu können.
Allerdings funktioniert das System nur dann, wenn der Advisory Coach es auch versteht seine Vorschläge sowohl dem Spieler selbst als auch dem ständigen Betreuer klar zu machen und sie davon zu überzeugen. Ohne solide Vertrauensbasis funktioniert es nicht.
ADVISORY COACHING
Wie es funktioniert
- Man sucht sich einen Experten für jenen Trainingsbereich, für den man Beratung braucht.
- Man vereinbart ein bestimmtes Beratungshonorar für eine bestimmte Beratungsleistung auf Tages- Halbtages- oder Stundenbasis. In diesem Beratungshonorar sollten auch schriftliche Analysen und Trainingsempfehlungen (Trainingsplanung) enthalten sein.
- Man schickt den ständigen Betreuer (Umsetzer der erforderlichen Trainingsmassnahmen) mit dem Spieler zu den Beratungsterminen.
- Der ständige Betreuer sollte zu den Terminen bereits eine Liste mit den anstehenden Fragen (Problemen) mitbringen.
- Zwischen den Beratungsterminen hält der ständige Betreuer mit dem Advisory Coach Kontakt (Information über Fortschritte oder Probleme)
- Der Spieler muss zum Advisory Coach eine gute Beziehung aufbauen. Dieser gehört jetzt zum Team. Sollte der Advisory Coach ein Experte im technischen oder taktischen Training sein, so muss er zumindest gelegentlich ein paar Matches seiner Schützlinge sehen. Der Advisory Coach muss zur Kenntnis nehmen, dass die Nr. 1 im Betreuerteam immer der ständige Betreuer ist.